Evcc - Netzdienliches BEV-Laden ohne flexiblen Stromtarif

Moin zusammen,

ich suche nach einer Möglichkeit mein Fahrzeug netzdienlich zu laden.

evcc läuft in Home Assistant einwandfrei. Allerdings habe ich einen festen Tarif für den Netzbezug. Dieser wird aktuell mit einem Ferraris-Zähler abgerechnet und in HA mittels Shelly EM 3 Pro ausgewertet.

Die PV-Einspeisung erfolgt über einen digitalen Zähler, der für HA optisch ausgelesen wird (I/R-Lesekopf mit Tasmota). Ich habe noch eine Einspeisevergütung bis 11/2027, deshalb keine Systemänderung machbar.

Wallbox ist eine DaheimLaden Touch Pro 11 kW. Eine Hausbatterie ist noch nicht vorhanden.

Prinzipiell ist es somit monetär egal, wann das Fahrzeug geladen wird. Ich möchte dieses aber netzdienlich machen. Die aktuellen EPEX-Preise werden bereits ausgewertet.

Für die Kostenberechnung in evcc soll der aktuell richtige Festpreis genommen werden, für eine automatisierte Ladeplanung jedoch der EPEX-Preis. Andernfalls stimmt die Kostenberechnung nicht.

Mit besten Grüßen

Andreas

Moin Andreas,

soweit ich das nachvollziehen konnte, dürfte evcc genau diese Trennung (Festpreis für Kostenanzeige, EPEX für die Planung) nicht nativ unterstützen – der `tariffs.grid`-Eintrag scheint ein einziger Wert zu sein, der sowohl für die angezeigten Ladekosten als auch für Planer/smartCostLimit herangezogen wird. Das wurde im evcc-Projekt wohl schon diskutiert (u. a. Ladevorgangsauswertung für Firmenwagenabrechnung · evcc-io/evcc · Discussion #11903 · GitHub), wo die Maintainer sinngemäß sagten, dass ein „protokollierter tatsächlicher Preis“ zwar auf der Roadmap stehe, aber nicht nicht umgesetzt ist.

Zwei Wege, die das vermutlich lösen könnten:

Weg 1 – Planungslogik nach Home Assistant auslagern

Da du die EPEX-Preise in HA schon auswertest, könntest du evcc einfach beim Festpreis (`type: fixed`) belassen – dann sollte die Kostenberechnung in evcc korrekt bleiben. Die Netzdienlichkeit würdest du dann per HA-Automation steuern: eine Automation wählt anhand deiner EPEX-Sensoren die passenden Stunden aus und schaltet den Ladepunkt-Modus über die REST- oder MQTT-API von evcc (soweit ich weiß etwa `/api/loadpoints/1/mode/now` bzw. `…/off`, aber die genaue Route würde ich vorher in der aktuellen API-Doku verifizieren). Es gibt eine HACS-Integration namens ha-evcc (marq24), die dafür fertige Services mitbringt.

Weg 2 – evcc mit EPEX planen lassen, echte Kosten separat in HA berechnen

Falls dir evccs eingebauter Ladeplaner (mit Abfahrtszeit/Ziel-SoC) wichtig ist, müsstest du dort vermutlich `tariffs.grid` auf eine dynamische EPEX-Quelle umstellen, da der Planer ohne Preisvarianz vermutlich nicht sinnvoll planen kann. Dann würde evcc allerdings vermutlich falsche (EPEX-basierte) Kosten anzeigen. Die reale Abrechnung müsstest du dann wohl separat in HA nachbilden – z. B. per Utility-Meter/Template-Sensor auf Basis der Shelly-EM-3-Pro-Werte × Festpreis.

Für dein Ziel würde ich – mit den genannten Unsicherheiten – eher zu Weg 1 tendieren.

Zu evcc habe ich ja auch schon mehrere Sachen gezeigt, u. a. insbesondere Warum evcc in Kombination mit Home Assistant richtig Spaß macht

Mich würde interessieren, ob und wie du es umgesetzt bekommst!

VG Olli

Moin Olli,

danke für die schnelle Rückmeldung.

Der beschriebene Weg 1 klingt ‚aus der Distanz‘ erst mal kompliziert. Da müsste ich mich erst näher mit beschäftigen.

Den Weg 2 hatte ich auch schon auf dem Schirm, da dieser einfach umzusetzen wäre. Die genaue Energiemenge für die Wallbox wird ja bereitgestellt. Es würden lediglich in evcc die echten Kosten nicht dargestellt. Da ich die gesamten Kosten für das Fahrzeug ohnehin tabellarisch erfasse, käme ich hier auf die korrekten Werte für die Ladekosten.

Ich habe gerade die Umstellung des Netzbezugstarifes vorgenommen. Allerdings setzt die evcc-Ladeplanung die Einstellung PV oder Min+PV voraus. Leider funktioniert das bei mir nicht, da ich den PV-Zähler nicht in evcc eingebunden bekomme. Mein Zähler zählt nur eine Richtung, da dieser ausschließlich für die Einspeisung verwendet wird. evcc setzt hier einen Zweirichtungszähler (entsprechend des angezeigten Scriptes) voraus. Das habe ich ausprobiert; dann funktioniert die Auswertung über den I/R-Lesekopf aber nicht mehr.

Auch im Energie-Dashboard brachte es mir dann die Werte durcheinander.

Ich werde wohl das System so belassen müssen. Zurzeit lasse ich mich benachrichtigen, wenn der EPEX-Total-Preis den von mir gewählten Wert unterschreitet. Dann muss ich den Ladevorgang händisch in evcc starten, in dem ich Schnell aktiviere. Wenn der Preis den Wert wieder überschreitet bekomme ich eine erneute Mitteilung, so dass ich dann die Ladung abbreche, sofern der Ziel-SOC noch nicht erreicht wurde.

Trotzdem nochmals vielen Dank für deine Mühe. Ich möchte auch nicht vergessen zu erwähnen, dass einige deiner Videos für mich sehr hilfreich waren.

Beste Grüße

Andreas